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Abis dürfen auch Azubis werden Drucken
Geschrieben von: Jesco Heidenreich   
Freitag, den 11. November 2011 um 08:35 Uhr

arge 010Oldenburg. Den Aufwärtstrend im Ausbildungsstellenbereich führt Berndt Wozniak, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Oldenburg, auf die gute Konjunktur zurück. Im Berufberatungsjahr 2010/2011 wurden 15 Prozent mehr Ausbildungsplätze bereit gestellt als im Vorjahr. „Gegenüber 2009 sind es sogar 22 Prozent“, berichtet Bernd Wozniak weiter, der in der dualen Ausbildung ein wichtiges Zukunftsinstrument sieht, welches maßgeblich entscheidend für die Wirtschaftlichkeit aller bundesdeutschen Betriebe ist. Der Ausbildungsmarkt atme eben mit dem Arbeitsmarkt. Von Oktober 2010 bis September 2011 wurden der Agentur für Arbeit in Oldenburg 3999 Ausbildungsstellen gemeldet, 521 Stellen mehr als im Vorjahr. Ende September gab es noch 154 unbesetzte Ausbildungsstellen. Vor einem Jahr waren es 129 Stellen. Die Zahl der noch unversorgten Bewerber lag mit 233 um 50 (minus 17,7 Prozent) unter dem Niveau des Vorjahres.



„Die Firmen haben die Zeichen der Zeit erkannt“, weiß der Geschäftsführer. Der zunehmend wachsende Fachkräftemangel veranlasst Betriebe, immer früher auf die Suche nach geeigneten Auszubildenden zu gehen. Der Schulhof gelte bereits als Marktplatz. Egal ob kaufmännische oder handwerkliche Berufe, der Startschuss für die Ausbildungsplatzsuche 2012 sei bereits gefallen. Aufgrund der demografischen Entwicklung müssen mehr Ausbildungsstellen her. Auch schwächere Bewerber benötigten eine Chance, appelliert Berndt Wozniak.

Das Metall- und Elektrogewerbe (plus 6,2 Prozent) sowie die Gesundheits- und Körperpflegeberufe (plus 12,3 Prozent) erfreuen sich besonders hohem Zulauf. Derzeit verzeichnen wir 3251 abgeschlossene Lehrverträge“, ergänzt Heiko Henke, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der HWK, der insbesondere den Landkreis Wesermarsch im Elektrogewerbe heraus stellt. Hier betrug der Zuwachs vorbildliche 7,8 Prozent. Die Attraktivität des Handwerks bliebe ungebrochen. Problematisch sei die Situation dennoch, denn 27 Prozent aller Betriebe finden kein geeignetes Personal. Daher sei es mehr als wichtig, heutzutage auf die Jugendlichen zuzugehen und sie aufzuklären. Das Handwerk bräuchte Auszubildende mit jeglichen Schulabschlüssen, auch Abiturienten. Die Chancen auf eine spätere Selbständigkeit mit einem eigenen Betrieb seien hervorragend, da die Auftragslagen hoch sind.

Die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer hat bis Ende Oktober 4687 neue Ausbildungsverträge gezählt. „Die Firmen wirken dem Fachkräftebedarf durch verstärkte Ausbildungsanstrengungen entgegen“, kann auch IHK-Geschäftsführer Dr. Thomas Hildebrandt beobachten. Unternehmen zeigen kreative Aktivitäten, um Auszubildende zu gewinnen. „Auch wenn die Konjunktur in den nächsten Jahren nachlässt, werden die Ausbildungsanstrengungen der regionalen Wirtschaft nicht geringer“, erklärt er weiter. Überproportional viele Fachkräfte würden in den nächsten Jahren in Rente gehen und müssen ersetzt werden.

Nicht ganz so hohe Zuwächse, aber eine Steigerung von zwei Prozent verzeichnet die Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Insgesamt 6269 Ausbildungsplätze im Bundesland sind besetzt worden. Dennoch gebe es freie Kapazitäten in einzelnen Betrieben, weiß die Leiterin des Fachbereichs Aus- und Fortbildung, Landjugend der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Edda Albers. Sie rät allen Jugendlichen, sich vorab in Praktika und Schnuppertagen ein Bild vom jeweiligen Beruf zu machen. Hierbei entstehen erste Kontakte, die eventuell zu einer Ausbildungsstelle führen könnten. Der Beruf des Landwirts verzeichnet aktuell 1788 Ausbildungsstellen, Gärtner/in 1812 und Hauswirtschafter 658. Starke Nachfrage gebe es insbesondere als Pferdewirt und Fachkraft Agrarservice.

„Die jungen Menschen sind sehr flexibel geworden“, berichtet Berndt Wozniak. Jugendliche hätten Alternativen, die sie auch wählen, wenn der Erstwunsch nicht erfüllt wird. Kritik gebe es aber für die Gymnasien. „Viele Schulleiter erkennen nicht, dass für ihre Schüler der duale Ausbildungsweg ebenso möglich wäre“, erklärt Dr. Thomas Hildebrandt. In der Berufsorientierung der Agentur für Arbeit seien Gymnasien so gut wie nicht enthalten, da die Schüler seitens der Lehrer meist „in das Studium getrieben werden“. Daher sei es überaus wichtig, Berufsberatungen auch mit dem Lehrkörper durchzuführen.
Zukünftig werden Betriebe mit ihrer Attraktivität um Auszubildende buhlen. Besondere Angebote und auch Bezahlungen sind wichtige Komponenten. Unternehmen, die nicht rechtzeitig auf den Zug aufspringen, werden unter starkem Fachkräftemangel leiden und laufen damit Gefahr, vom Markt bereinigt zu werden. Neue Konzepte und vor allem die Zusammenarbeit mit Schulen und Eltern sollen in den Vordergrund gerückt werden, um die Zukunft zu sichern.