| Oldenburg siegt in letzter Sekunde gegen Frankfurt |
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| Geschrieben von: Ole Rosenbohm |
| Montag, den 23. Januar 2012 um 11:58 Uhr |
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Oldenburg. 59 Minuten hatten 1515 Zuschauer in der Oldenburger EWE ARENA am heutigen Sonntag (22.1.2012) eine spannende, taktisch interessante Bundesligapartie zwischen dem VfL Oldenburg und dem Frankfurter HC gesehen. Doch geredet wurde nach Spielschluss fast nur über die letzten Szenen. Zehn Sekunden vor dem Ende hatte der VfL seine vermeintlich letzte Wurfchance vergeben, die Gäste bekamen die Möglichkeit zum siegbringenden Gegenstoß, brachten den Ball aber nicht unter Kontrolle. Oldenburg konterte über vier Stationen, Lois Abbingh vollendete mit der Schlusssirene zum 31:30 (16:16)-Sieg. „Ein krasses Finale“, sagte VfL-Spielführerin Sabrina Neuendorf: „In den letzten Sekunden hat bei mir der Herzschlag ausgesetzt.“
Einher mit dem Aufschrei auf den Tribünen und dem Spielfeld sackten die Frankfurter Spielerinnen in sich zusammen. „Wir hätten doch sogar noch gewinnen können“, stöhnte Franziska Mietzner, wissend, dass die Zeit für einen Treffer gegen die längst nicht formierte Oldenburger Mannschaft wohl gereicht hätte. Ihre Mitspielerin Mandy Hering fand: „Ein Punkt wäre verdient gewesen. Das Spiel hätten wir sogar früher für uns entscheiden müssen.“
Die letzten zehn Sekunden liefen so ab: Torfrau Mandy Burrekers parierte Abbinghs Versuch aus siebeneinhalb Metern, spielte dann steil auf die nach vorne sprintende Mietzner. Die aber konnte den tiefen Pass nicht fangen. Laura van der Heijden nahm den Ball auf, spielte zu Abbingh, die in Höhe der Neunmeterlinie kurz zu Angie Geschke weiterleitete. Geschke antwortete mit dem sofortigen Doppelpass, Abbingh warf aus sechs Metern ein. „Ich dachte mir, lauf mal lieber mit, vielleicht kriegst du den Ball ja wieder zurück“, sagte Abbingh später lachend.
Auch sonst lieferten sich beide Teams ein enges Spiel. 20 Minuten hatte sich keine Mannschaft absetzen können, dann nutzte Susann Schneider einen Konter über fünf Stationen zum Frankfurter 12:10. Den nächsten größeren Vorsprung gab es erst wieder nach der Pause, aus der Oldenburg vor allem in der Deckung stark verbessert herauskam und bis zur 36. Minute auf 20:16 davonzog. Auch wegen vier grober Oldenburger Fehler traf der FHC aber anschließend sechsmal in Folge (20:22/41.).
Wenig später hatten die Gastgeberinnen wieder ausgeglichen (23:23/46.) und waren zehn Minuten vor dem Ende mit Julia Wenzls 27:25 auf die Siegerstraße eingebogen. Abbingh sorgte für das 28:26 (52.), Geschke mit einem fantastischen, zweimal aufsetzenden Flachwurf für das 29:27 (55.).
Doch die Gäste kamen zurück, nutzten bei Schneiders 28:29 (56.) vom Kreis mittels einer ihrer schnellen Kombinationen auf engstem Raum die sich häufig aufbietende Lücke im VfL-Abwehrzentrum. Die Freiräume entstanden durch die offensive 3-2-1-Deckung des VfL. „Die Abstimmung in der Abwehr hat manchmal gefehlt“, erklärte Neuendorf: „Wir wussten: Wenn wir zu defensiv stehen, rennen die uns über den Haufen. Also geht man noch einen Schritt raus, und dann entstehen die Lücken.“
Der VfL schien kurzzeitig angeschlagen, zumal sich Neuendorf bei Schneiders Treffer noch eine Zeitstrafe einhandelte. Und dem Abwehr- folgte der Angriffsfehler: Jessy Kramer verwandelte den Gegenstoß zum Ausgleich (56.). Immer noch in Überzahl hätte der FHC wenig später durch Mietzner in Führung gehen können, doch die erneut starke Julia Renner lenkte den Wurf aus acht Metern an den Innenpfosten. Der Ball hoppelte dann noch etwas auf der Linie herum, dann war die 24-jährige Oldenburger Nummer 1 endgültig zur Stelle. Beide Teams konnten dann noch einen Treffer erzielen, bis es zu den denkwürdigen letzten Sekunden kam.
Zweifellos hatte der VfL Glück, nicht nur in der letzten Szene. Allerdings verdienten sich die Gastgeberinnen – die bei einer geringeren Anzahl leichter technischer Fehler ebenfalls für eine frühere Entscheidung hätten sorgen können – den für die Tabellensituation immens wichtigen Sieg durch eine vorbildliche kämpferische Einstellung. Die vielleicht nicht immer auf höchstem Niveau agierende Abwehr überstand mehrere äußerst wichtige, knifflige Situationen bei Frankfurter Ballbesitz, ließ auch nur vier Feldtore von Bundesliga-Torschützenkönig Mietzner zu. Zwar hätte der FHC bei etwas mehr Wurfglück – Frankfurt traf deutlich öfter Latte oder Pfosten als der VfL – vielleicht dann und wann davonziehen können. Doch Oldenburg spielte im Positionsangriff seine mannschaftliche und individuelle Klasse gekonnt aus. Zudem erwies sich der VfL als lernfähig, spielte nach der Pause deutlich variabler, setzte zum Beispiel die Außenspielerinnen besser ein. „Dieser Sieg ist ein Sieg der ganzen Mannschaft“, sagte die Frau des Tages, Lois Abbingh.
Der VfL ist weiterhin zu Hause ungeschlagen und behält den vierten Tabellenplatz. Mit ebenfalls 15:9 Punkten Fünfter ist Bayer Leverkusen, das gestern mit 27:23 gegen Schlusslicht SVG Celle gewonnen hatte. Frankfurt als Sechster hat 13:11 Zähler auf dem Konto, einen Punkt vor der HSG Blomberg.
Frankfurt tritt schon am kommenden Mittwoch bei der HSG Bad Wildungen an. Drei Tage später (Samstag, 28.1., 19.30 Uhr) spielt der VfL in Celle.
Trainerstimmen
Dietmar Schmidt, FHC: So ist Sport, da zählt kein Hätte oder Aber. Ein unglücklicher Abwurf hat dieses Spiel entschieden. Wir hatten in den 59 Minuten und 59 Sekunden genügend Möglichkeiten, auf zwei oder drei Tore davonzuziehen. Julia Renner hat ihren Teil dazu beigetragen, dass das nicht gelungen ist. Außerdem hatten wir acht Pfostenwürfe. Einen Punkt hätten wir sicher verdient gehabt.
Leszek Krowicki, VfL: Man muss kein Handballkenner sein, um zu wissen, dass das ein glücklicher Sieg war. Julia, da stimme ich zu, hat ein sehr gutes Spiel gezeigt. Laura van der Heijden und Lois Abbingh haben sehr wichtige Tore geworfen, und Angie Geschke hat wieder einmal bewiesen, dass sie eine Kandidatin für die Nationalmannschaft ist. Sie passt in kein Schema, ist aber ein Gewinn für jede Mannschaft.
VfL Oldenburg: Renner (20/1 Paraden), Wester (bei einem Siebenmeter) - Birke 1, Geschke 8, Abbingh 9/5, van der Heijden 5, Schirmer 3, Kethorn 2; Neuendorf, Wenzl 3, Winter, Badenhop, Hetmanek, Barger n.e.
Frankfurter HC: Herrmann (3 Paraden), Burrekers (ab 11. Minute; 16/1 Paraden) - Hering 6/1, Mietzner 8/4, Beier 2, Gubernatis 2, Eickhoff 3, Schneider 6; Kramer 2, Wegner 1, Nega n.e., Scheidemann n.e., Rode n.e.
Siebenmeter: 6/5 (Burrekers pariert gegen Geschke) - 8/5 (Mietzner wirft vorbei; Mietzner scheitert an Renner; Hering an den Pfosten, verwandelt aber den Nachwurf).
Zeitstrafen: 3 (Wenzl, Neuendorf, Geschke) - 5 (zweimal Schneider, zweimal Gubernatis, Kramer).
Schiedsrichter: Robert Schulze (Steuden) und Tobias Tönnies (Dodendorf).
Zuschauer: 1515 in der Oldenburger EWE ARENA. |
